Tana Toraja

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Mit einem weiteren 30-Tage-Visum für Indonesien im Pass reisten wir im luxuriösen Aircon-Bus von Makassar nach Rantepao. Es gibt zahlreiche Nachtbusse, die diese Strecke befahren. Doch wir wollten tagsüber reisen, da wir gerne die Aussicht geniessen. Nach 9,5h erreichten wir Rantepao, die grösste Stadt des Hochlands Tana Toraja. Enos, der freundliche Besitzer des Rosalina Homestay, holte uns mit seinem Moped ab. Wir bezogen ein sauberes, schönes Zimmer für drei Nächte. Die erst kürzlich eröffnete, familiäre Unterkunft liegt etwas ausserhalb und ist wirklich empfehlenswert.

Homestay Rosalina in Rantepao

Das Volk der Toraja wurde von holländischen Missionaren zum Christentum bekehrt. Doch bis heute pflegt es einen komplexen Totenkult mit aufwändigen Begräbniszeremonien. Nach dem Ableben gilt der Verstorbene nur als "krank". Der "Kranke" wird einbalsamiert und in einem Sarg im Haus der Familie aufbewahrt. Ihm werden sogar Essen, Getränke und Zigaretten hingestellt. Er ist ja nur krank und nicht tot... Die mehrtägige Begräbniszeremonie kann ein Vermögen kosten und ist nur der Übergang ins nächste Leben. Es dauert manchmal Jahre bis die Familien das Geld dafür beisammen haben. Deshalb können Jahre zwischen Tod und Beerdigung liegen. Am dritten und letzten Tag der Begräbniszeremonie werden zahlreiche - je nach sozialem Status des Verstorbenen - Büffel und Schweine geopfert. Wir verstehen nicht wie sich Touristen dieses blutige, qualvolle Massaker ansehen können. Ein nettes italienisches Paar schilderte uns ihr persönliches Erlebnis. Sie erzählten, dass es ein Touristenzirkus war. Die Touris benahmen sich teilweise voll daneben, auf der Suche nach dem krassesten Fotomotiv. Schlimm!
Bei den Gästehäusern und in den Restaurants lauern die einheimischen guides, welche den Touristen völlig überteuerte Touren verkaufen. Die verlangten Preise stehen in keinem Verhältnis. Aber leider gibt's genügend Touris, die diese Unsummen bezahlen. Auch in unserem Homestay war ein guide und wir informierten uns bei ihm betreffend eines Tages-Trekkings. Doch bei der Verhandlung des Preises wurden wir uns nicht einig. Schlussendlich entschieden wir uns zwei Tage ein Moped zu mieten. Die Region rund um den Hauptort Rantepao hat landschaftlich viel zu bieten: zerklüftete Berge, üppige Vegetation, kleine Dörfer mit schönen Tongkonans, interessante Bestattungsplätze, Kaffeeplantagen und imposante Reisterrassen.

Plötzlich war der Asphalt weg... ;-)

Am ersten Tag entdeckten wir vorwiegend den Osten von Makale. Die Strassenverhältnisse wechselten zwischen Asphalt- und staubigen Schotterstrassen mit vielen Schlaglöchern. Wir hatten eine ungenaue, handgezeichnete Karte dabei, welche wir im Homestay ergatterten. Manchmal fuhren wir eine Ehrenrunde bis wir unser Ziel fanden. In Kambira besuchten wir die Beerdigungsstätte für Babies, welche traditionell in einem Baum beerdigt wurden. Derjenige in Kambira ist einer der Grössten der Region. Der Baum beherbergt um die 20 Babies. Die Toraja bezeichnen Kinder, die noch keine Zähne haben, als Babies. Sie glauben, dass die Babies zusammen mit dem Baum weiter wachsen.

Babygräber in Kambira

Am zweiten Tag erkundeten wir den Süden und Norden von Rantepao. Nach dem Frühstück fuhren wir nach Kete Kesu. Es war Sonntag und hatte dementsprechend auch einheimische Touristen. Kete Kesu ist ein einzigartiges Dorf mit einer Sammlung der schönsten Tongkonan in Tana Toraja. Die traditionellen Häuser haben ein aus mehreren Bambusschichten bestehendes Dach in einer schiffsähnlichen Form und sind nach Norden ausgerichtet. Die Büffelhörner und Schweinekiefer der geopferten Tiere werden als Statussymbol an der Frontseite des Hauses aufgehängt. Die Wasserbüffel sind ein Symbol von Macht und Reichtum.

Tongkonan - traditionelles Haus in Tana Toraja

In Londa sahen wir uns die bekannte Begräbnisstätte an. Diese liegt in einem riesigen Felsen zwischen Dschungel und Reisfeldern. Ein netter Englisch-sprechender local führte uns mit Öllampe durch die natürliche Höhle voller Holzsärge, menschlichen Knochen und Schädeln (!). Er gab uns interessante Informationen zur Stätte und zu den Toten. Viele Schädel hatten Zigaretten im Mund, als Gabe von Angehörigen. Es war ein komisches Gefühl in dieser Höhle zu stehen. Und irgendwie auch makaber. Vor der Höhle hatte es hängende Gräber und Ahnenfiguren, sogenannte tau tau. Die tau tau stellen die Toten dar und sehen teilweise verblüffend echt aus. Bei einer regelmässigen Zeremonie kleiden die Familienangehörigen die tau tau neu ein, die kaputten Särge werden ersetzt und den Toten werden Gaben gebracht. Mit dem Moped fuhren wir weiter zur Felsgrabstätte in Lemo. Dort sind die Höhlen in der Felswand jedoch nicht natürlichen Ursprungs wie in Londa, sondern von Hand gemeisselt. Bei jedem touristisch zugänglichen Beerdigungsstandort bezahlten wir Eintritt und es hatte jeweils etliche Souvenirshops, die traditionellen Schmuck und Kleider verkauften.

tau tau (Ahnenfiguren) in Londa

Zurück in Rantepao machten wir uns auf die Suche nach Bustickets. Wir wurden fündig und kauften zwei Tickets für den morgigen Bus. Danach fuhren wir via Pangli in den Norden nach Batutumonga. Unterwegs machten wir viele Stopps, um Fotos zu knipsen. Die Aussicht auf die umliegenden, bewaldeten Berge und die wunderschönen Reisterrassen war atemberaubend. Kurz vor Batutumonga hielten wir beim Coffee Shop Tinimbayo an. Wir tranken ein heisses Getränk und genossen das Panorama. Der Ort Batutumonga liegt am Fusse des 2'150m-hohen Gunung (Berg) Sesean und gilt als einer der schönsten Orte in Tana Toraja. Es gibt sogar einige Gästehäuser mit Sicht bis nach Rantepao und ins Sa'dan Tal. Während der idyllischen Abendstimmung fuhren wir zurück nach Rantepao. Nach Abgabe unseres Mopeds assen wir ein weiteres köstliches indonesisches Abendessen im Restaurant Rimiko. Zurück im Homestay packten wir unsere sieben Sachen. Am nächsten Morgen bestiegen wir den lokalen Bus nach Tentena. Wir genossen die Hochland-Luft, aber nun freuen wir uns wieder auf die Meeresbrise!

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