Ketambe

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Wir warteten in Berastagi am Strassenrand eine Stunde auf den Minibus aus Medan. Eine Fahrbahn war wegen dem indonesischen Unabhängigkeitstag gesperrt. Es herrschte noch grösseres Verkehrschaos als sonst. Wir sahen verschiedene Gruppen von Schülern, die in Uniformen Marschmusik spielten.

Marschmusik zum Nationalfeiertag

Zum Frühstück assen wir frisch zubereitete pisang goreng (frittierte Bananen) von einem kleinen Essenstand. Unsere Tramper wurden auf's Dach des Minibus gebunden und wir wurden in die hinterste Reihe gequetscht, wo bereits zwei einheimische Frauen mit Baby sassen. Die Minibusse sind immer total überfüllt. Aber wir waren froh einen Platz zu ergattern. Wir fuhren stundenlang durch eine wunderschöne kurvige Berglandschaft mit Dschungel. In Kutacane war Endstation. Da der Pick-Up nach Ketambe bereits voll war, nahmen wir zusammen mit unserem Gepäck auf dem Dach Platz. Dort wurden wir lachend begrüsst und zwei Schülerinnen löcherten uns mit Fragen in Englisch. Wir hatten eine Menge Spass.

Lustige Mädels!

Man musste sich jedoch gut festhalten, da die Strecke kurvig war. An einem Halt kletterte dann auch noch ein Herr mit zwei Autoreifen neben mir auf's Dach. Zwei Jungs stellten sich als Herkules und Rambo vor. War wohl ein Scherz ;-) Obwohl wir kein Wort verstanden, quatschten die Beiden uns auf Indonesisch voll. Die Openair-Fahrt durch den Dschungel und die kleinen Dörfer war ein Erlebnis. Die Leute waren auf dem Dorfplatz versammelt und es fanden witzige Spiele statt. Alle feierten zusammen den Unabhängigkeitstag. Als es zu regnen begann, hielt unser Fahrer an. Wir (inkl. Gepäck) wechselten ins Wageninnere, wo es wieder Platz hatte. Im kleinen Ort Ketambe stiegen wir beim Friendship Guesthouse aus. Ich hatte bereits Mailkontakt mit Ahmad, dem Besitzer. Wir bezogen ein einfaches Zimmer für CHF 3.90. Die günstigste Unterkunft seit unserer Reise. Das Guesthouse liegt direkt am Fluss und vermittelt eine gemütliche Atmosphäre. Der Japaner Eugene, welcher mit uns auf dem Dach des Pick-Up sass, bezog das Zimmer neben uns. Sein Hobby sind Schmetterlinge, welche es in allen Grössen und Farben gibt im Gunung Leuser Nationalpark. Wir duschten auf indonesische Art (Mandi). Man hat einen Wasser- und Schöpfkübel und leert sich das kalte Wasser über den Körper. Wir assen leckeres Gemüse-Curry mit Reis und gingen früh schlafen. Am nächsten Tag schliefen wir lange, assen im Guesthouse, genossen die Stille am Fluss und entschieden uns für das 2-tägige Dschungel-Trekking.

Chanti geniesst die Ruhe

Wer nach Ketambe reist, interessiert sich für den Dschungel und dessen Bewohner. Allen Voran die wilden Orang-Utans. Zuerst wollten wir ins beliebte Bukit Lawang reisen. Doch wir hörten und lasen viele kritische Bewertungen. Die Orang-Utans werden in Bukit Lawang gefüttert - wie im Zoo. Deshalb sieht man die Tiere zu 100%. Ein Schweizer Paar erzählte uns, dass ihr Guide bei der Sichtung der Orang-Utans umgehend die anderen Guides per Telefon informierte. Innert Minuten waren ca. 60 Personen aufgetaucht. Das entspricht überhaupt nich unseren Vorstellungen! Bukit Lawang liegt nur 3h von Medan, der Hauptstadt von Sumatra, entfernt und ist problemlos erreichbar. Die meisten Touristen landen sowieso mit dem Flugzeug in Medan und somit liegt Bukit Lawang auf dem Weg. Wir waren froh, dass wir uns für Ketambe entschieden hatten. Nach einem erholsamen Tag waren wir bereit für den Dschungel. Wir stärkten uns mit einer Nudelsuppe zum Frühstück. Von unserem Guide Alex erhielten wir spezielle Socken wegen den mühsamen Blutegeln. Wir hatten nur einen kleinen Rucksack dabei, die Tramper konnten wir bei Ahmad einstellen. Mit Alex und Jan, ein netter Holländer, marschierten wir los in den Dschungel. Wir wanderten ca. eine Stunde als wir hoch oben in den Baumkronen des Regenwalds die erste Gruppe Orang-Utans entdeckten. Manche Weibchen hatten sogar Junge, die an ihnen hingen wie ein Rucksack. Sie assen Früchte, schwangen sich von Ast zu Ast und machten lustige "Knutsch"-Geräusche. Wir beobachteten die Tiere lange und folgten ihnen durch den Dschungel. Orang-Utans (Deutsch: Waldmenschen) sind die einzigen Grossen Menschenaffen Asiens und die grössten echten Baumsäugetiere auf der Erde. Der Sumatra Orang-Utan ist vom aussterben bedroht :'(

WWF (Hintergrundwissen)

Wir wanderten weiter durch den dichten Dschungel und sahen beeindruckende Baumriesen, Pflanzen, Insekten und nochmals Orang-Utans, die uns in ihren Bann zogen. Mittags erreichten wir unser Camp, welches an einem schönen Fluss lag. Gegenüber hingen Affen in den Bäumen. Man servierte uns Kaffee, Tee und Kekse während unser Koch das Mittagessen zubereitete. Wir assen Nudeln mit Gemüse und Krupuk (Krabbenchips). Nach einer Verdauungspause wanderten wir erneut durch den Dschungel. Tatsächlich sahen wir nochmals Orang-Utans. Wir machten zahlreiche Fotos, was bei den Lichtverhältnissen nicht einfach war.

Wilde Sumatra Orang-Utans in Ketambe

Ich hatte nicht gedacht, dass wir bereits am ersten Tag Orang-Utans sehen. Es wird keine Garantie gegeben überhaupt welche zu sichten, da hier die Orang-Utans wirklich wild sind. Wir bevorzugen es keine Garantie zu kriegen, aber dafür mit etwas Glück wilde Tiere zu sehen. Alex entdeckte eine dicke Liane, an welcher wir uns wie Tarzan hin und her schwangen ;-) Zurück im Camp gingen wir im Fluss baden. Nach unserem Flussbad fing es bald an zu regnen. Wir setzten uns in ein Zelt und es wurden viele Teller mit köstlichem Essen serviert. Zusammen mit Alex und unserem Koch assen wir Reis, Huhn und Tempe mit Sambal, Eier an Tomatensosse und Gemüse. Zu Trinken gab's Kaffee, Tee und Wasser. Dieses war abgekochtes Flusswasser, welches in PET-Flaschen abgefüllt wurde. Nach dem Essen gesellte sich ein anderer Guide zu uns und es wurde gesungen, geplaudert und viel gelacht. Ausser Jan und uns Beiden waren noch vier andere Touristen im Camp. Ein Paar aus Frankreich und ein Paar aus Tschechien. Wir gingen früh schlafen. Das durchsichtige Zelt aus Plastik teilten wir mit Jan. Es war nur an Holzstangen befestigt. Am Boden wurden dünne Matten ausgelegt und jeder hatte einen Schlafsack. Das "Natur-Klo" war etwas entfernt vom Camp, eine Stelle am Fluss. Ich kuschelte mich in meinen Schlafsack und schlief schnell ein.

Unser Dschungel-Camp

Am nächsten Morgen erwachte ich früh. Die beiden Herren neben mir waren noch im Tiefschlaf. Ich stand auf, sass auf einen Stein am Fluss, plantschte mit den Füssen im Wasser, genoss die Sonnenstrahlen und beobachtete die Affen in den Bäumen. Herrlich! Nach dem Frühstück (mastiges Bananen-Pancake) überquerten wir den Fluss und wanderten durch den Dschungel zu den Heissen Quellen. Dort befand sich ein weiteres Camp. Beim Baden musste man aufpassen, dass man die richtige Stelle erwischte. Teilweise war das Wasser kochend heiss. Die Einheimischen kochten darin sogar Eier :-) Nach einer Portion Nudeln liefen wir auf einem matschigen, steilen Weg zum Wasserfall. Die Wurzeln und Blätter waren stellenweise sehr rutschig und man musste aufpassen. Hati-Hati! (Vorsichtig!) Der Wasserfall war schön, aber gebadet haben wir nicht.

Unser Guide Alex beim Wasserfall

Wir wanderten denselben Weg zurück zu unserem Camp. Insgesamt mussten wir dreimal den Fluss überqueren. Dies war etwas mühsam, da man immer die Schuhe, Socken und Blutegel-Socken aus- und wieder anziehen musste. Pädu erwischte einen Blutegel am Rücken. Es blutete sehr lange, aber war ungefährlich. Den Blutegel an meinem Finger bemerkte ich schnell und Jan entfernte ihn mit dem Ärmel seines Hemds. In unserem Camp wurde uns eine weitere Portion Nudeln serviert. Vollgefressen machten wir uns auf den Rückweg ins Guesthouse. Wir verbrachten zwei erlebnisreiche Tage im Dschungel. Ich werde die Begegnung mit den wilden Sumatra Orang-Utans nie vergessen. Einfach unbeschreiblich diese Tiere in der Wildnis zu sehen!
Nach einer kalten Dusche tranken wir ein paar Bintang (indonesisches Bier) mit Jan, Alex und unserem Koch. Die beiden Einheimischen verabschiedeten sich jedoch bald. Wir plauderten mit Jan bis nach Mitternacht. Müde fielen wir ins Bett. Am nächsten Morgen ging die Reise weiter nach Pulau Weh...

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