Berastagi

Main Image

Nachdem wir am lebendigen Markt von Parapat Bananen und Rambutan gekauft hatten, fuhren wir mit einem Opelet (Minibus-Sammeltaxi) zum Busunternehmen. Wir entschieden uns gegen den im Verhältnis teuren Touristen-Minibus, der täglich direkt von Parapat nach Berastagi fährt. Im Gästehaus hatten sie uns auf einem Zettel aufgeschrieben, wohin wir mit den lokalen Bussen fahren müssen und wo genau umsteigen. Sogar die Preise wurden angegeben. Somit waren wir gut ausgerüstet :-) Ist doch viel besser mit herzlichen Indonesiern zu reisen als mit nervigen westlichen Touristen. Für mich ist es immer wieder ein tolles Erlebnis mit den Einheimischen unterwegs zu sein. Der grosse Reisebus war überfüllt mit Einheimischen, die rauchten, schliefen, lachten, telefonierten oder der lauten indonesischen Pop-Musik zuhörten. Wir ergatterten noch zwei verstreute Plätze und konnten immerhin eine Po-Hälfte auf dem Sitz platzieren. In Simpang Dua schmeisste man uns raus und wir wechselten in einen Minibus. Unsere Tramper wurden auf's Dach gebunden und man quetschte uns in die hinterste Sitzreihe zwischen zwei Teenager. Es ist immer ein regelmässiges Ein- und Aussteigen bei den Minibussen. Wenn es zu voll ist im Minibus klettern die Schüler aufs Dach. Meistens fahren sie nicht eine zu lange Strecke von der Schule bis Zuhause. Bezahlt wird jeweils nach dem Aussteigen beim Fahrer durchs Fenster. In Kutacane wechselten wir nochmals unser Gefährt. Mit einem anderen Bus fuhren wir nach Berastagi. Wir fuhren jedoch an unserem Ziel vorbei, bemerkten dies jedoch frühzeitig. Mit einem Opelet fuhren wir eine kurze Strecke wieder zurück. Eigentlich wollten wir uns die Unterkunft Nachelle Homestay ansehen, welche etwas ausserhalb der Stadt liegt. Der Fahrer und auch die anderen Passagiere hatten jedoch keine Ahnung, wo sich das Homestay befindet. Somit fuhren wir zum Wisma Sibayak Guesthouse, welches sich direkt im Zentrum befindet. Es war eine tolle Reise mit den lokalen Verkehrsmitteln und wir trafen unterwegs keinen einzigen Touristen.

Unser Bus von Kutacane nach Berastagi

Wir blieben zwei Tage in Berastagi. Am ersten Tag erkundeten wir zu Fuss die Stadt. Bei einem Stand sahen wir frische Reisnudeln und setzten uns ins familiäre Restaurant. Die Kiewtaw Goreng (gebratene Reisnudeln) waren scharf und köstlich. Sie verwenden viel grüne Chilis beim Kochen - genau nach unserem Geschmack. Auf der Strasse wurden wir häufig von Schülern angesprochen, die auf einem Blatt Papier in Englisch Fragen aufgeschrieben hatten. Wir halfen gerne bei den Hausaufgaben. Sie mussten den Touristen ein paar Fragen in Englisch stellen und die Antworten aufschreiben. Wir antworteten geduldig und nach dem Gespräch wurde uns höflich gedankt. Die Fotos durften natürlich nicht fehlen. Vielleicht als Beweismaterial für den Lehrer ;-) Es war jedes Mal sehr lustig!

Chanti mit Schülern

Der bekannte Früchte- und Gemüsemarkt ist wirklich sehenswert. Eine Menge Stände mit exotischen Früchten und frischem Gemüse buhlen um Kundschaft. Wir durften Avocado degustieren. Ich hatte noch nie im Leben eine solch leckere Avocado gegessen. Nebst Avocados kauften wir Passionsfrüchte (Marquisa), welche sie im Überschuss anpriesen. Rund um den Markt hatte es zahlreiche Souvenir-Stände mit Batik-Kleidern, Patchwork-Taschen, Sarongs, Schmuck etc. Als Sarong-Fans konnten wir nicht anders... Wir kauften wunderschöne Sarongs für je CHF 2.70. Obwohl die Preise bereits unglaublich günstig sind, muss man handeln. Es hatte auch einen Marktstand mit lebendigen Tieren, welche mir wie immer leid taten. Am liebsten hätte ich die süssen Kaninchen alle gekauft. Immerhin konnten sie an einem Maiskolben nagen.

Avocadokauf an einem der Früchtestände

Zu Fuss liefen wir nach dem Marktbesuch auf den Gundaling Hill. Am Strassenrand wurden tonnenweise Karotten gewaschen und in grosse Säcke verpackt. Das Land hier ist sehr fruchtbar. Es wird viel Gemüse- und Früchteanbau betrieben. Die Leute grüssten freundlich und die Kinder winkten um die Wette. Es fuhren zwei Autos mit Einheimischen an uns vorbei, die aus den Fenstern riefen. Wir winkten und kurz später hielten die beiden Autos neben uns. Sie hatten doch tatsächlich gewendet und fragten uns nun für Fotos. Alle Familienmitglieder waren total aus dem Häuschen. Ausser das Baby fing an zu schreien als man es mir in die Arme gab. Es war wohl schockiert von meinem Anblick, hehehe. Es wurden unzählige Fotos gemacht, mit der ganzen Familie und einzeln. Am Schluss schüttelten wir zum Dank viele Hände und winkten zum Abschied. Solche Erlebnisse sind normal auf Sumatra und doch finde ich's immer wieder schön, wie erfreut die Einheimischen an uns sind. Die Leute hier sind unglaublich freundlich und herzlich.

Familienporträt

Nach einem kurzen Aufstieg erreichten wir den Aussichtspunkt. Leider waren die Vulkane in der Zwischenzeit hinter den Wolken verschwunden. Als es zu regnen begann, setzten wir uns in eines der kleinen Restaurants und assen eine Nudelsuppe (Pop me). Mit dem Opelet fuhren wir zurück in die Stadt. Im kleinen Supermarkt Indomaret kauften wir Getränke und später assen wir an einem Strassenstand leckeres indonesisches Essen. Wir hatten dort bereits am Vorabend köstliches Nasi Goreng und Ayam Goreng (frittiertes Poulet) gegessen. Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn viele Einheimische dort essen. Pädu hatte seinen Angrybird-Schirm am Vorabend liegen gelassen und bekam diesen sogar wieder zurück. Wir gingen zurück in unsere Bleibe und waren erstaunt, dass die meisten Touristen im überteuerten Restaurant des Gästehaus assen. Vielleicht weil dort auch westliches Essen serviert wird?!

Essen mit den locals

Am zweiten Tag standen wir um 7.00h. Wir machten uns auf den Weg zur Besteigung des Gunung Sibayak (Vulkan).  An der Rezeption hatten wir uns am Vortag schlau gemacht betreffend der Wanderung. Es gibt zwei Wege auf den Vulkan. Bei einem Weg benötigt man einen Guide, da dieser durch dichten Dschungel führt. Der andere Weg ist gut alleine zu bewältigen. Wir entschieden uns für die Variante ohne Guide. Mit dem Opelet fuhren wir bis zu einem Häuschen, wo wir eine Gebühr von IDR 4'000 (30 Rappen) pro Person bezahlen mussten. In einem Buch wurden wir mit Namen und Uhrzeit registriert. Um 8.30h liefen wir los. Die asphaltierte Strasse mit Schlaglöchern schlang sich durch den Dschungel. Nach einer Stunde erreichten wir den Fuss des Bergs. Bis dort hätte man das Opelet nehmen können. Nun begann der Aufstieg auf einem Naturweg, der teilweise rutschig und matschig war. Es kamen uns westliche Touristengruppen mit Guide entgegen. Der Sonnenaufgang war wohl nicht so spektakulär bei dem bewölkten Wetter. Unterwegs liefen wir an diversen Zelten und Einheimischen vorbei, die beim Vulkan Schwefel gewinnen. Wir hörten das Zischen und rochen den Gestank des Schwefels bereits von Weitem. Nach einem Abschnitt über Geröll erreichten wir den kleinen Kratersee des Gunung Sibayak. Wir suchten uns auf den Felsen einen guten Aussichtspunkt und assen die mitgebrachten Avocados und Tempe (Sojabohnen)-Crackers zur Stärkung. Wir hatten Glück und die Sonne zeigte sich für kurze Zeit.

Aussicht auf den Kratersee

Nach dem Mittagessen wanderten wir denselben Weg wieder zurück. Eigentlich wollten wir den Weg absteigen, welcher zu den Hot Springs führt. Doch die Einheimischen hatten uns davon abgeraten, da die Stufen und Steine sehr rutschig waren von dem vielen Regen der letzten Tage. Auf dem Rückweg begegneten wir vielen Einheimischen mit Trampern. Einer erklärte uns, dass sie am nächsten Tag den indonesischen Unabhängigkeitstag feiern. Ganze Gruppen von Jugendlichen gingen auf den Gunung Sibayak campen und feiern. Es erinnerte mich an den 1. August, an welchem wir jeweils ins Berner Oberland wandern, zelten und feiern gehen - mit unseren Fans ;-) Es blitzte und donnerte als wir beim Gebühren-Häuschen ankamen. Mit dem Opelet fuhren wir zum Früchtemarkt, um erneut Avocados zu kaufen. Ja, wir sind süchtig nach den Avocados auf Sumatra. Wieder beantworteten wir die Fragen der Schüler und posierten für Fotos. Danach assen wir eine Portion scharfes Kiewtaw Goreng bevor wir schmutzig in unser Zimmer zurück kehrten. Eine eiskalte Dusche erlöste uns vom Dreck und Schweiss. Wir kauften Ayam Goreng take-away und assen gemütlich auf unserer Matte. Diese hatten wir in Myanmar von Steffi&Paul übernommen. Sie ist sehr praktisch und kommt viel zum Einsatz. Am Morgen des indonesischen Unabhängigkeitstag ging unsere Reise weiter nach Ketambe...

Kommentar abgeben