Der hohe Norden

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Die Zugreise von Bagan nach Mandalay war unterhaltsam. Immer wieder geriet der Zug ins Schwanken oder man flog fast vom Sitz vor lauter Geholper. Es war unsere erste Zugfahrt in Myanmar. Wir mieden die Züge, da diese der Regierung gehören. Aber da der Bus ausgebucht war, mussten wir den Zug nehmen.
In Mandalay verabschiedeten wir einmal mehr Steffi & Paul. Hoffentlich bis bald! Nach ein paar Stunden Schlaf fuhren wir früh Morgens zum Bahnhof. Unser Zug fuhr um 5.00h los. Wir hatten am Vortag Tickets für die "Ordinary class" (billigste Klasse) gekauft. Die hilfsbereiten Bahnangestellten zeigten uns unsere Plätze. Wir hatten Glück, dass die Sitze sogar ein Polster hatten. Normalerweise sind es Holzbänke bei welchen Arsch-Schmerzen vorprogrammiert sind. Es waren laaange 15,5h bis Hopin. Bei jedem Halt kamen die Verkäufer zum Zugfenster gerannt und priesen ihre Leckereien an.

VerkäuferInnen am Bahnhof

Manche stiegen auch in den Zug ein und liefen hin und her mit ihrer Ware. Einige Einheimische legten ihre Matten am Boden aus, um darauf zu schlafen. Ich staune immer wieder wie sie überall, in jeder Stellung und bei jedem Lärm schlafen können. So was von praktisch! Es hatte auch ein Klo, welches jedoch stank und fast überlief. Die Zugtüren sind immer offen, was beim gemütlichen Tempo kein Problem darstellt. Die Fenster sind auch offen und man muss aufpassen, da teilweise Sträucher und Äste gestreift werden.

Reisfelder Richtung Myitkyina

Wir erreichten Hopin als es bereits dunkel war. Ein Bahnangestellter führte uns zu einem Herrn, der etwas Englisch sprach und uns diverse hilfreiche Infos gab. So stellte sich heraus, dass es tatsächlich ein Hotel gab in Hopin. Ich glaubte nämlich nicht daran. Dieser Ort ist ja nicht mal im Lonely Planet erwähnt, was uns immer sehr passt. Unsere geplante Route im Norden verlief abseits der Touristenpfade.  Wir waren die einzigen ausländischen Gäste im Hotel. An einem Stand assen wir ein leckeres Khao Soi (Myanmar-Style). Die netten Hotelbesitzer schnitten die von uns gekaufte Wassermelone in Stücke. Wir genossen die saftige Frucht und plauderten mit Händen und Füssen mit den freundlichen Leuten. Als wir nach "towels" (Duschtüchern) fragten, verstanden sie nur Bahnhof. Wir versuchten es mit Phantomime - Activity lässt grüssen 😉 Doch die Verwirrung wurde noch grösser. Unser einheimischer "friend" (Zimmernachbar) dachte, dass er uns verstanden hat. Fünf Minuten später brachte man uns Toilettenpapier. Hahaha!
Morgens liefen wir mit unseren sieben Sachen (zum Glück konnten wir die Souvenirs in Mandalay deponieren) zum Pick-Up. In 3,5h fuhren wir in einer Affenhitze auf dem Geländewagen nach Lonton an den Indawgyi-See. Die Strasse war in schlechtem Zustand und man flog zwischen Gepäck und Einheimischen hin und her. Der Besitzer des einzigen Gästehaus erwartete uns bereits. Warum er von unserer Ankunft wusste, wissen wir bis heute nicht. Das Gästehaus hatte nur acht einfache Zimmer mit Gemeinschaftsbad.

Unser Guesthouse am Indawgyi See

Wir genossen die Aussicht von der Terrasse auf den See mit Gratiskaffee und Tee. Gras fressende Kühe und Wasserbüffel, grunzende freilaufende Schweine, singende Vögel und ein paar Fischerboote. Der Indawgyi-See ist der grösste natürliche See in Myanmar. Im Gebiet des "Wetland Wildlife Sanctuary" leben mehr als 120 verschiedene Vogelarten.
Der gastfreundliche Besitzer des Gästehaus sprach nur ein paar Brocken Englisch. Er sagte, dass ein Festival stattfindet und er uns gerne dorthin mitnehmen möchte. Das wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen. Bereits am Nachmittag liefen wir zu Dritt zum Festival, welches beim Dorftempel statt fand. Es war ein Fest zu Ehren Buddhas. Wir wurden mit grossen Augen bestaunt, posierten für Fotos und assen typischen Myanmar-Food.

Unser Gästehaus Besitzer mit Chanti bei typischem burmesischem Essen

Es hatte viele runde Holztische und man konnte sich umsonst bedienen. Am Abend kehrten wir nochmals zurück ans Festival. Es wurde traditionelle Musik gespielt, welche aus riesigen Boxen dröhnte. Da wir ganz vorne auf einem schmalen Holzbänkli sassen, bastelten wir aus WC-Papier Ohrstöpsel. Auf der Bühne wurde gesungen und getanzt. Das ganze Dorf war anwesend und wir waren die einzigen Ausländer. Jemand spendierte uns sogar Tee und Snacks. Auch unser netter Begleiter war sehr aufmerksam und kaufte uns Wasser. Ein kleines Mädchen starrte uns die ganze Zeit an. Sie war wohl fasziniert von den komischen Westlern. Ich war wie gefesselt von dem Festival und wollte gar nicht mehr zurück ins Gästehaus. Kurz nach Mitternacht kehrten wir dann doch zurück. Es war ein unvergesslicher Abend.
Am nächsten Tag starteten wir nach einer langen Preisverhandlung zur Bootstour. Wir besichtigten die Shwe Myitsu Pagoda, welche auf einer Insel gebaut wurde. Danach bestiegen wir den Golden Mountain. Der Aufstieg war schweisstreibend in der Mittagshitze, aber die Aussicht vom Hügel war toll. Wir sahen Mönche und Affen, die in einem Tempel leben. Das Mittagessen assen wir im Shan-Dorf. Danach fuhren unsere beiden Bootsmänner direkt zurück nach Lonton. Abgemacht war jedoch, dass wir noch den schwarzen Buddha und ein weiteres Dorf besichtigen. Daraus wurde leider nichts, da uns die Beiden nicht verstanden und auch kein Intresse zeigten uns zu verstehen. Zurück in Lonton erklärten wir die Umstände. Trotzdem versuchten die Damen den vollen Preis von uns zu ergattern - ohne Erfolg.

Shwe Myitsu Pagoda

Nach einer kurzen Nacht mit Bauchschmerzen fuhren wir am nächsten Tag mit dem Pick-Up nach Hopin. Ich war so froh, dass die Fahrt nur 1,5h dauerte. Wir hatten wohl den Express-Geländewagen erwischt. Oder vielleicht lag es an der steilen Abkürzung durch den Dschungel. Aber blaue Flecken trug ich trotzdem davon. Wir sassen auf Säcken und ich schlug immer wieder mit dem Knie an eine Eisenstange. Da wir früh anreisten, entkamen wir der grössten Hitze. Das Positive am Pick-Up ist die frische Luft und das Abenteuer beim Reisen.

Strasse zurück nach Hopin

Mit dem Zug fuhren wir von Hopin in 4h nach Naba. Mit dem Sammeltaxi (Tuk Tuk) reisten wir nach Katha, wo wir in einem Guesthouse am Ufer des Flusses Ayarewady übernachteten. Meinem Magen ging's immer noch nicht so gut und Pädu kämpfte mit einer Erkältung.
In aller Früh begaben wir uns auf's Speedboat nach Mandalay. Ich weiss bis heute nicht wieso dieses Speedboat heisst. Wir waren über 15h unterwegs mit etlichen Stopps, um Leute und Ware aufzugabeln oder abzuladen. Da wir einen guten Platz hatten, war die lange Bootsfahrt halb so wild. Wir konnten sogar etwas schlafen und genossen die "ruhige" Fahrt - mal ohne Geholper.

Unsere Koje auf dem "Expressboot" nach Mandalay

Am Interessantesten fand ich die "Fress-Stopps". Das Boot hielt nahe am Ufer und die Verkäufer liefen in Scharen durch's Wasser und verkauften Essen und Getränke an die Passagiere. Wir lehnten uns durch's Fenster und kauften Reis und Nudeln mit Gemüse und Fleisch, Samosas und kaltes Wasser. Das Ganze dauerte einige Minuten. Sobald das Boot hupte wurde das Chaos noch grösser und die Verkäufer sprangen zurück ins Wasser und dann an Land. Herrlich anzusehen!

FlussverkäuferInnen am Bootsanlegeplatz

In Mandalay checkten wir im Garden Hotel ein, wo auch unsere Tasche mit Souvenirs auf uns wartete. Nach einer heissen Nacht (es gab nur noch Zimmer mit Ventilator im 5. Stock) konnten wir am nächsten Tag in ein Zimmer mit Klimaanlage im 1. Stock wechseln. Ich glaube es war nirgends so heiss wie in Mandalay. Wir genossen unseren letzten Tag in Myanmar. Abends assen wir auf Empfehlung von Steffi & Paul im Restaurant Napali köstliches indisches Thali.
Nach dem Check-Out liefen wir zum Gratis-Flughafen-Shuttlebus von Air Asia. Mit 30 Minuten Verspätung flogen wir von Mandalay nach Bangkok.
Die 28 Tage in Myanmar waren ein besonderes Erlebnis. Die Herzlichkeit der Einheimischen und die Vielfalt des Landes haben mich überwältigt. Ich vermisse Myanmar bereits jetzt...

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