Tiere als Touristenattraktion

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Wir haben immer gehofft, hier in Asien etwas mit Elefanten zu machen. Wir haben bereits in Afrika Elefanten in der Wildnis gesehen, doch immer nur von weitem.
In Südostasien ist der asiatische Elefant heimisch oder besser gesagt er war es mal. Leider ist dieser enorm gefährdet. Man findet ihn nur noch in einer Hand voll Nationalparks. Doch auch dort sieht es finster aus für das weitere Überleben des asiatischen Elefanten. Zum einen wird viel zu wenig getan um die Fortpflanzung der Elefanten zu unterstützen und zum anderen ist auch da der Lebensraum der Tiere akut gefährdet. Trotz offiziellen Nationalparks werden die Wälder aus Profitgier illegal oder durch Korruption der Behörden schonungslos abgeholzt. Beispielsweise in Ratanakiri (Kambodscha) oder in Luang Namtha (Laos) muss man den Regenwald mittlerweile fast suchen. Dort wo einst üppiger Regenwald war, stehen heute meist riesige Kautschuk- oder Erdnussplantagen. Die Regierung oder besser gesagt deren Vertreter erwirtschaften so riesige Summen durch Schmiergelder dieser Firmen in ihre eigenen Taschen. Dadurch ist es fast nicht möglich diese Entwicklung zu stoppen. Auch viele Einheimische sind sich dem Ernst der Lage nicht bewusst. Bei vielen Bergvölkern dient der Elefant seit Jahrzehnten als Arbeitstier. Falls ein Elefant starb oder verunfallte, holten sie sich im Urwald einfach einen Neuen. Doch diese Zeiten sind definitiv vorbei. Wobei heutzutage die Arbeitselefanten bereits einige Zeit nicht mehr als Arbeitstiere genutzt werden. Die Leute haben in den Touristen längst eine lukrativere Einnahmequelle gefunden. So hat sich das Schicksal vieler Arbeitselefanten in Asien meiner Meinung nach noch verschlechtert. Die Elefanten stehen den ganzen Tag an einen Baum oder Pfahl gekettet da und warten mit ihren Mahouts (Elefantenführer) auf Kundschaft. Die Elefanten sind häufig abgemagert, da sie einfach zu wenig zu essen bekommen. Uns wurde gesagt, ein gesunder Elefant muss ca. 22 Stunden am Tag essen! Die armen Elefanten bekommen nicht mal ein Bruchteil davon, was sie eigentlich benötigen. Zudem werden sie durch ihre Elefantenführer oft gequält. Mit einer Spitzhacke wird den Elefanten in die Ohren gestochen oder geschlagen, falls sie nicht gehorchen. Wir hatten häufig Tränen in den Augen als wir solche Elefanten sahen.
Immerhin gibt es mittlerweile viele Camps und Projekte, die sich dem Schutz der Tiere angenommen haben. Die Tiere, fast ausschliesslich Arbeitselefanten, werden aus den Dörfern geholt um in einer natürlicheren Umgebung ein besseres Leben zu haben und um Nachwuchs zu kriegen.
Doch nach einigen Recherchen hört sich das Ganze nicht mehr so gut an. In Asien erhalten solche Projekte keine oder nur wenig Unterstützung vom Staat. Zudem ist es schwer an Spendengelder zu kommen. Daher müssen die Tiere selbst für das Einkommen sorgen, was an und für sich auch ok ist. Nur die Umsetzung dessen stört mich. Die Tiere werden als Attraktion verkauft um möglichst viele Touristen anzulocken. In vielen dieser Camps werden die Elefanten geritten. Und das sogar noch mit diesen Elefantensitzen, die den Ritt für die Touristen noch bequemer machen sollen. Kaum einer denkt daran, dass die Sitze den Tieren enorme Schmerzen bereiten und grosse Schäden an der Wirbelsäule verursachen. Doch das Geschäft läuft gut. Viele Camps sind chronisch ausgebucht und man muss einige Tage im Voraus zu enorm hohen Preisen buchen um etwas Zeit mit den Elefanten verbringen zu können. Durch steigende Touristenzahlen müssen die Tiere immer mehr Reisende herumtragen, für Fotos posieren oder mit ihnen baden. Doch eigentlich müssten Sie ja den ganzen Tag essen! Ob dieses Leben so viel besser ist, als das eines Arbeitselefanten, wage ich zu bezweifeln.

Gequälte Elefanten in Mondulkiri (Kambodscha)

Viele dieser Camps werden von Ausländern geführt. Wie wir gehört haben, fliesst bei vielen nur wenig Geld der Touristen an die Community zurück. Überprüfen konnten wir diese Aussagen natürlich nicht. Doch mit einem solchen Verhalten wird die Situation der Bevölkerung, die von den Elefanten leben, sicherlich nicht verbessert und es wird wieder einmal mehr klar worum es wirklich geht: Profit!

Tiere verkommen immer mehr zur Touristenattraktion. Und die Menschen finden noch Gefallen daran. Als wir in Chiang Mai (Thailand) waren, ist uns das so krass wie noch nie aufgefallen. Natürlich kann man auch hier viele Elefantencamps besuchen. Doch zum üblichen Reiten, konnte man auch malende und Fussball spielende Elefanten bestaunen. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass Elefanten malen oder Fussball spielen weil sie das gerne tun?! Kaum auszumalen, wie sie das den Tieren beigebracht haben. Wir haben auch Angebote für Schlangenshows gesehen, wo in lächerlichen Vorführungen die Amphibien als giftig und extrem gefährlich gefeiert werden. In Wirklichkeit wurden den Tieren die Giftzähne gezogen oder sie wurden durch ungefährliche Schlangenarten ersetzt. Das Schlimmste war aber definitiv das Tiger Kingdom. Dort kann man echten Tigern ganz nah sein, mit ihnen kuscheln und Fotos machen. Bitte!! Wer nach diesem Satz nur ganz kurz nachdenkt, dem sollte sofort klar sein, dass da etwas nicht stimmt. Der Tiger gehört zu den gefährlichsten Raubkatzen der Welt und er verschmäht auch kein Menschenfleisch. Wieso sollte man gerade mit diesen Tigern kuscheln können? Weil sie besonders lieb sind und von Menschen aufgezogen wurden? Selbst wenn das die liebsten Tiger der Welt wären und schon von Geburt an von Menschen aufgezogen würden, wäre das Risiko viel zu gross. Der Tiger ist und bleibt ein wildes Tier. Obwohl die Betreiber das Gegenteil behaupten, sind meiner Meinung nach, die Tiere ganz klar betäubt und unter Drogen gesetzt. Unsere Kollegen aus Österreich haben sich das Ganze angeschaut und auf Video festgehalten. Was ich da gesehen habe, war wirklich erbärmlich. Halbtote Tiger die für Touristenfotos posieren müssen. Der Tiger ist auf der ganzen Welt enorm gefährdet. Da ist es wirklich unverschämt, dieses wundervolle Tier für so etwas zu missbrauchen. Nein sorry, das geht gar nicht!

Das Schlimmste jedoch finde ich, dass es so viele Touristen gibt, die so etwas auch noch machen und dadurch unterstützen. Wie kann man solche Sachen nur mit seinem Gewissen vereinbaren? Denken diese Leute einfach nicht darüber nach oder ist es ihnen schlichtweg egal? Ich weiss es echt nicht. Und das alles nur fürs beste Urlaubsfoto. Da kann man echt nicht stolz sein.

Ich hoffe nur, dass wir eines Tages die Quittung dafür kriegen, wie wir mit den Tieren und der Natur umgehen. Verdient hätten wir es auf jeden Fall.

Scenen vom Tiger Kingdom

 

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