Phonsavan

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Mit dem Minivan fuhren wir 6h auf einer kurvigen Strecke mit wunderschöner Aussicht auf die Berglandschaft. Die Stunden zogen sich in die Länge. Der arme Tourist in der Sitzreihe hinter uns erbrach während der ganzen Fahrt in Plastiksäcke. Wir hatten Mitleid mit dem blassen Kerl. In Phonsavan entschieden wir uns für ein Doppelzimmer im Namchai Guesthouse, welches hinter der Hauptstrasse liegt.
Phonsavan ist die Hauptstadt der Provinz Xieng Khouang. Hauptattraktion des Plateaus sind die Monolithen. Geschätzte 3000 Steinkrüge stehen in der kargen Hochebene herum. Der Legende nach tranken Riesen aus den Felstonnen Reiswein. Archäologen stellen sie bis heute vor ein Rätsel. In der Verwendung sind sie sich einig. Die Krüge dienten als Urnen. Darauf deuten Spuren von Knochen und Grabbeigaben hin.

Wir mieteten ein Moped und besichtigten die Jar Sites 1, 2, 3 der Ebene der Tonkrüge und den Wasserfall Tad Lang. Das erste Feld ist mit 331 Steinkrügen eines der Grössten. Die meisten Touristen besuchen nur dieses Feld, welches auch diverse Bombenkrater aufweist. Die Fahrt zu den anderen zwei Feldern war anstrengend, da die Naturstrasse extrem staubig und steinig war. Aber die Strapazen haben sich gelohnt. Die mystischen Monolithen haben mich sehr fasziniert. Es läuft ein Antrag auf Anerkennung dieser einzigartigen Landschaft als UNESCO-Weltkulturerbe. Ich hoffe, dieser wird angenommen!

Jar Site 1

Eine erhebliche Belastung für die Bevölkerung sind die Blindgänger, welche noch heute zu schlimmen Verletzungen und Todesfällen führen. Wusstet ihr, dass Laos das meist bombardierte Land der Welt ist?! Während des amerikanischen "Geheimen Krieges" gegen Vietnam hat die USA mehr als 2 Millionen Tonnen Bomben über Laos abgeworfen. Geschätzte 260 Millionen "Bombies", eine Tennisball grosse Submunition der berüchtigten Streubomben. Fachleute gehen davon aus, dass 30% der Sprengkörper NICHT explodierten (UXO = Unexploded Ordnance). 78 Millionen "Bombies" verseuchen als Blindgänger grosse Teile des Landes. Somit ist Laos eines der Länder mit der grössten Menge an nicht explodiertem Kriegsmaterial im Boden. Dies ist ein erhebliches Problem für das landwirtschaftlich geprägte Land. Aus Angst vor Blindgängern arbeiten die Bauern nicht mehr in ihren Feldern. Besonders viele Kinder fielen den Eisenkugeln zum Opfer, nicht zuletzt weil der Verkauf von gesammeltem Bombenschrott ein kleines Zubrot versprach. Das Sinken der Altmetallpreise und das offizielle Verbot  der privaten Nutzung von Metalldetektoren hat dem zumindest vorübergehend Einhalt geboten. Die britische MAG (Mines Advisory Group) entsandte Experten und half massgeblich bei der Gründung des staatlichen UXO-Lao-Projekts. Laoten wurden zu Räumarbeitern und Führungskräften ausgebildet. Seit 1996 konnten mehr als 800'000 Blindgänger beseitigt und 144km2 Land geräumt werden (nur ein Bruchteil der belasteten Fläche). Auch wurden mehr als eine Million Menschen jedes Alters darüber aufgeklärt, wie man Sprengkörper erkennt und welche Gefahren sie bergen. Erst seit 2005 sind die drei bekanntesten Stätten der Ebene der Tonkrüge innerhalb der gekennzeichneten Flächen kampfmittelfrei. Dennoch würde die Beseitigung aller Kampfmittel in Laos 1'000 Jahre dauern! Das UXO-Lao-Projekt wird von einigen Industriestaaten und Hilfsorganisationen finanziert, jedoch nicht von der USA!!!
Nebst dem MAG-Informationszentrum besuchten wir auch noch das UXO Survivor Informationszentrum. Die QLA (Quality of Life Association) hilft Menschen finanziell und psychisch, die einen Unfall überlebt haben. Es ist toll zu sehen, wie sich die Organisation für die Menschen einsetzt. Sie leisten grossartige Arbeit mit Herzblut.

Informationszentrum der Quality of Life Association

An unserem letzten Abend tranken wir Reisschnaps und Beerlao mit dem Besitzer unseres Guesthouse. Ohne Kater (zum Glück!) fuhren wir am nächsten Morgen mit dem Bus weiter nach Luang Prabang.

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