Phnom Penh

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Phnom Penh ist Kambodschas Hauptstadt und Regierungssitz. Die Stadt hat ihren Namen vom Wat Phnom (Hügeltempel), der 1372 auf einem künstlichen 27 Meter hohen Hügel errichtet wurde, um fünf Statuen des Buddha aufzunehmen. Noch stören wenige überdimensionale Appartementblocks oder glitzernde Hochhäuser das Bild der 1,5 Millionen-Einwohner-Stadt (Stand 2012), die am Zusammenfluss von Tonle Sap und Mekong liegt. Mittelpunkt der Stadt ist  das Ufer des Tonle Sap, das von einer fast 2km grünen Promenade gesäumt wird. Grösste Attraktion der Stadt ist der Königspalast und die Silberpagode.
Wir quartierten uns für 4 Nächte in einem sehr preiswerten Appartement ein, welches uns von Diana&Volker empfohlen wurde. Nebst Balkon hatten wir sogar eine Küche, in welcher wir jeweils eine leckere Nudelsuppe (Phnom Penh Style) zum Frühstück zubereiteten.

Noodle Soup Phnom Penh Style

Bei sonnigem Wetter war am ersten Tag Sightseeing angesagt. Wir fotografierten das Unabhängigkeitsdenkmal, spazierten die Uferpromenade entlang, besichtigten den Wat Phnom, besuchten den Psar Thmei (Zentralmarkt) und Psar Chas.

Marktstand

Am Nachmittag bestaunten wir den Königspalast und die Silberpagode. Die gesamte Anlage wurde im traditionellen Khmer-Stil errichtet, die Umfassungsmauer ist gelb und weiss gestrichen, in den zwei Farben, die den buddhistischen und den hinduistischen Glauben repräsentieren. Für den Besuch ist angemessene Kleidung erforderlich (keine zu kurzen Shorts, ärmellose Shirts, kurze Röcke oder knappe Tops, auch Kopfbedeckungen und Rucksäcke sind nicht erlaubt). Dies wurde wirklich beim Eingang kontrolliert. Zum Glück wusste ich im Voraus Bescheid und hatte ein Jäggli dabei. Es standen jedoch auch weisse T-Shirts mit Ärmeln zur Verfügung ;-) Abends assen wir Chinesisch, köstliches Dim Sum.

Königlicher Tanzsaal

Am zweiten Tag regnete es. Wir assen Frühstück und luden unsere Blogeinträge und Fotos auf unsere Website. Am Nachmittag nieselte es nur noch. Mit Regenschirm liefen wir zum Tuol Sleng Genocide Museum (Völkermord-Museum). Gemäss Reiseführer gehört ein Besuch zu den bedrückendsten Erlebnissen einer Kambodschareise.  Ich kann dies bestätigen! Es war schrecklich und schockierend! Das Museum befindet sich in den Räumlichkeiten der ehemaligen Toul Svay High School (Phlauv 113), in denen die Roten Khmer zwischen 1975 und 1979 ihr berüchtigtes Gefängnis S-21 unterhielten. Die vier Gebäude der Schule wurden in unter Strom stehenden Stacheldraht eingefasst und die Klassenräume in Gefängniszellen und Folterkammern umgewandelt. Stacheldraht-Geflecht vor den Aussengängen der einzelnen Gebäudeteile sollte verzweifelte Gefangene daran hindern, Selbstmord zu begehen. Es wurden zwischen 14'000 und 20'000 Menschen gefoltert und bestialisch ermordet. Vor allem die gebildete Elite, Ärzte, Lehrer, Militärpersonal und Verwaltungsangestellte, lernte das S-21 als Verhör- und Folterzentrum fürchten. Es sind immer noch Eisenbetten mit Ketten zu sehen, mit denen die Gefangenen an die Betten gekettet wurden. In jedem Zimmer sind auf schaurigen Fotos die unkenntlichen Leichname der letzten Inhaftierten abgebildet. An den Wänden hängen Tausende Schwarz-Weiss-Fotos von Opfern aus deren Augen die gesamte Bandbreite von Emotionen spricht, von Angst über Trotz bis hin zu Leere. Sie alle tragen eine Nummer. Die Roten Khmer dokumentierten penibelst, wer ihnen in die Hände fiel. Manchmal fotografierten sie ihre Opfer nach der Folter - auch solche Fotos sind ausgestellt. Zweimal täglich wird in einem Zimmer ein Film gezeigt, welchen wir uns ansahen. Die tragische Biografie einer jungen Frau und deren Ehemann, welche den Roten Khmer zum Opfer fielen. Es hat auf der Welt noch nie ein vergleichbares Völkermord-Verbrechen gegeben. Die Roten Khmer haben ihr eigen Fleisch und Blut, ihr eigenes Volk auf brutalste Art und Weise ermordet. Es ist unfassbar zu was Menschen fähig sind!
Link Wikipedia (Schreckensherrschaft der Roten Khmer)
Link Wikipedia (Völkermord-Museum)

Bild im Tuol Sleng Genozid Museum

Am letzten Tag organisierten wir unser Busticket nach Kampong Chhnang, liefen zum Tied Gun Monument und der Japan-Brücke. Am Nachmittag besuchten wir die Sorya Shopping-Mall. Dies ist ein riesiges Einkaufszentrum inkl. Rollschuhbahn und Kinokomplex. Die Preise sind jedoch mehrheitlich westlich. Wir verliessen die Mall ohne Einkaufstaschen. Abends hatten wir ein Date mit Ham Neat. Diesen Kontakt haben wir von meinem lieben Bruder Lars :-) Coni&Lars haben Ham Neat im Jahr 2010 in Sihanoukville kennen gelernt. Damals war Neat Kellner in einem Restaurant. Heute ist er ein fleissiger Student. Wir waren uns jedoch nicht sicher, ob unser Treffen klappt. Ich hatte nur Facebook-Kontakt mit Neat. Zum Glück gab er mir noch seine Handynummer. Wir warteten 15 Minuten beim vereinbarten Treffpunkt. Dann rief ich Neat an. Er sagte, dass er in der Nähe sei. Und siehe da, ich entdeckte ihn auf dem Fahrrad im dichten Verkehr. Er strahlte uns an und freute sich riesig über unser Treffen. Wir liefen zu einem Strassenrestaurant und assen Seafood mit Reis. Neat betonte immer wieder, dass er very happy sei uns zu sehen. Er will unbedingt besser Englisch lernen. Jeden Tag büffelt er neben seinem Management-Studium bis um Mitternacht in einem Internet-Shop Englisch. Wir haben Neat als überaus freundlichen, aufgeschlossenen, ehrgeizigen Kambodschaner kennen gelernt. Es war ein toller Abend und wir haben nun einen Brother mehr ;-)

Nachtessen mit unserem "Brother"

Wir waren erstaunt über die vielen protzigen Luxuskarossen, welche in Phnom Penh herum fuhren. Und im Gegenzug die Bettler, welche um Geld oder Essen bitten. Es ist mühsam, wenn du am Essen bist und die Bettler daneben stehen. Wenn du einem Bettler Geld/Essen gibst, will jeder Bettler Geld/Essen von dir. Wir haben beobachtet, dass die reichen Einheimischen den Bettlern manchmal 500 KHR in die Hand drücken. Dies ist jedoch ein Teufelskreis. Wenn die Bettler mehr Geld "verdienen" als z. B. die Tuk Tuk-Fahrer. Dann gibt's plötzlich viel mehr Bettler, da dies rentabler ist. Es ist schwierig den bettelnden Kindern nichts zu geben. Aber wenn ich was gebe, dann sicher Essen und nicht Geld. Das finde ich sinnvoller. Bei Geld weiss man nie für was sie dies ausgeben.

Luxuskarossen in Phnom Penh

Wir sahen einige alte Westler mit jungen Kambodschanerinnen. Dies ist das erste Mal, seit wir unterwegs sind, wo uns dies aufgefallen ist.
Uns wurde gesagt, dass Phnom Penh hässlich und schrecklich sei. Klar, die Stadt ist nicht gerade eine Schönheit. Jedoch fanden wir die Tage in Phnom Penh super. Wir hatten ein tolles Appartement in welchem wir uns wohl fühlten, haben gut gegessen, sahen viel Interessantes und trafen den netten Ham Neat :-)

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