Same same but different

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Was kommt uns als Erstes in den Sinn, wenn wir an unsere Zeit in Vietnam zurückdenken?
Ganz klar: Motorbikes! Die kleinen 125cc Mopeds sind in Vietnam allgegenwärtig. Unser Reiseführer hat dies sehr treffend  beschrieben, indem er sagt, dass ein Motorbike besser auf die Nationalflagge passen würde als der Stern. Das stimmt! In den Grossstädten sieht man,  ausgenommen von Taxis und ein paar Reiche mit ihren Luxusschlitten, nur Motorbikes. Es ist wie ein einziger unaufhörlicher Verkehrsstrom. Wen wundert's! Sie benutzen ihre Maschinen für alles Erdenkliche. Sei es nur zum Einkaufen (ja, sie kaufen auf ihren Rollern tatsächlich ein), als Taxi oder auch als Warentransport. Manche packen mehr aufs Moped, als wir in einen Kombi bringen würden. Manchmal findet sogar eine ganze Familie auf dem Roller Platz (bis zu 5 Personen).

Vollbepackt und Inkognito

Parkiert wird in der Regel auf dem Bürgersteig oder man fährt direkt ins Haus oder Hotel. Drive-Through Lobbies sind daher keine Seltenheit. Als Fussgänger hat man schlechte Karten. Meist kann man nur noch am Strassenrand laufen. Man wird ständig von Motorbikes abgedrängt. Auch Verkehrsregeln spielen eine untergeordnete Rolle. Es wird mit "Gefühl" gefahren. Keiner möchte nur eine Sekunde warten. So drängelt sich jeder überall durch. Wenn Jemand von einer Seitenstrasse oder vom Bürgersteig einbiegt, schaut er nicht, ob etwas entgegen kommt. Es wird einfach drauflos gefahren.

Überall auf den Strassen gilt das Recht des Stärkeren. Bei Bussen und Lastwagen hat man Glück, wenn man vor deren Überholmanöver mit einem lauten Hupen gewarnt wird. Häufig mussten wir uns  beim Ausweichen mit den Strassengraben begnügen, um nicht an einem Kühlergrill kleben zu bleiben. Doch irgendwie scheint jeder die Regeln zu kennen und meistens geht alles gut. Leider haben wir doch ein paar schlimme Unfälle gesehen, die uns etwas nachdenklich stimmten.

Vietnam ist ein Volk von Frühaufstehern. Ab 5.00 Uhr morgens geht bereits die Post ab. Meistens wird man von einem aufdringlichen Hahn (die sind einfach überall) geweckt. Ist kein Hahn in der Nähe, steht sicher irgendwo ein "Strassenlautsprecher", welcher Nachrichten, Propaganda oder Musik in die Umgebung rausposaunt. Für uns Langschläfer natürlich der absolute Albtraum. Zum Glück haben wir immer unsere Ohrenstöpsel dabei :-) Ein Einheimischer sagte uns, dass sie so früh aufstehen müssten, um genug Geld zu verdienen. Wahrscheinlich arbeiten deshalb viele bis spät in die Nacht hinein. Alle sind sehr geschäftig, doch nie ist jemand im Stress. Für ein Ca phe (vietnamesischer Kaffee) und ein "Schwatz" ist immer Zeit. Nur wenn sie auf etwas Motorisiertes steigen, scheint es um Leben und Tod zu gehen.
Jeder scheint irgendwie sein eigenes "Business" zu haben. Wenn man durch die Strassen läuft, kann man allerlei beobachten. Sehr häufig werden die breiten Bürgersteige als Werkstatt, Verkaufstand oder Parkplatz benutzt. Da werden Moped repariert, Möbel hergestellt, Essen verkauft, usw. Das Leben spielt sich draussen ab.
Die Vietnamesen leben hauptsächlich in sogenannten "Röhrenhäusern". Das sind sehr schmale, aber dafür sehr lange Häuser, die nur selten mehr als drei Stockwerke haben. An der Strasse befindet sich das Arbeitszimmer oder Warenlager. Im nächsten Zimmer der Moped Parkplatz und weiter hinten die Räume für die Familie. Häufig leben mehrere Generationen in einem Haus.

Typische Röhrenhäuser

Wir haben die Vietnamesen als sehr freundliche, hilfsbereite und zurückhaltende Menschen kennengelernt. In öffentlichen Verkehrsmitteln wird älteren, behinderten Menschen und Frauen immer ein Platz angeboten. Dies gehört zum guten Ton, ist aber auch in jedem Bus angeschrieben. Ein aussterbender Brauch in unseren Breitengraden. Nur etwas hat uns ein bisschen gestört: Wenn sie dich nicht verstehen, ignorieren sie dich einfach. So entstanden einige komische Situationen, als wir plötzlich dastanden wie bestellt und nicht abgeholt. Viele Vietnamesen sind Raucher. Kein Wunder! Eine Packung kostet umgerechnet ca. 80 Rappen. Wenn es spät wird, werden die Lautsprecher und die Mikrofone eingeschaltet. Karaoke ist die Lieblingsfreizeitbeschäftigung. In den Abendstunden hört man von jeder Ecke irgendwelche Vietnamesen ein Liedchen trällern. Was uns direkt zum nächsten Punkt führt. Sie lieben es gerne feuchtfröhlich. Am beliebtesten sind Bier und Reiswein (der haut ganz schön rein). Manchmal bestellen sie gleich ganze Kisten Bier an den Tisch.

Fussballer am Karaoke singen

Ich freute mich, hier erste Berührungen mit dem Buddhismus zu machen. Leider wurde ich etwas enttäuscht. Die meisten Vietnamesen bezeichnen sich zwar als Buddhisten, in Wahrheit glauben sie aber an alles Mögliche. Etwas Buddhismus, viel Konfuzianismus vermischt mit Taoismus und Geisterglauben. Sehr speziell. In den meisten Läden und Wohnhäusern ist ein kleiner Altar zu finden, wo irgendwelche Lebensmittel "geopfert" werden. Wirklich sehr schräg. Ich hoffe, in den anderen asiatischen Ländern dem Buddhismus näher zu kommen.

Was uns sehr gefallen hat, ist das Essen. Die Vietnamesische Küche ist sehr vielseitig mit etlichen Einflussfaktoren, wobei China prägend war. Deshalb wird überall im Land mit Stäbchen gegessen. Das Motto lautet schnell und frisch. Alles Erdenkliche wird täglich früh morgens am Markt gekauft. Daher haben Lebensmittelmärkte meistens nur bis am Mittag geöffnet. Klar ist Reis das Lebensmittel Nummer Eins. Es wird einfach alles aus Reis gemacht.
Zum Frühstück wird Nudelsuppe gegessen (Pho oder Bun), welche überall frisch am Strassenrand zubereitet wird. Wirklich sehr lecker! Mittags und abends gibt es gedämpften Reis mit Fleisch oder Fisch. Auch BBQ und Hot Pot (Link) sind sehr beliebt. Sowieso essen die Vietnamesen, wie alle Asiaten, einfach ständig. Überall gibt es  kleine Stände mit frischen Snacks. Wir waren sehr erstaunt, wie viel Rindfleisch in Vietnam gegessen wird. Knapp vor Ente ist Rind das beliebteste Fleisch in Vietnam. Es war erstaunlich mager und zart. Unsere Lieblingsgerichte werden mit bo (Rind) zubereitet: Pho bo (Nudelsuppe) zum Frühstück und Mi xao bo (gebratene Nudeln mit Rind und Gemüse).

Pho Bo

Bevor wir nach Vietnam kamen, habe ich schon Wochen zuvor meinen Kaffeekonsum stark reduziert.  Ohne mich gross zu informieren, war für mich klar, dass ich in Asien keinen guten Kaffee kriege. Ich lag ja sowas von daneben!
Vietnam gehört zu den grössten Kaffeeproduzenten der Welt. In der Bevölkerung geniesst Kaffee vor Tee einen hohen Stellenwert. Man sagt, dass auch die Franzosen dafür verantwortlich waren, dass es heute an jeder Strassenecke ein Café gibt. Diese sind häufig, wie auch Hotels, nach der Strassennummer benannt. Im Norden wird der Ca Phe warm, in Zentral- und Südvietnam fast ausschliesslich mit Eis getrunken. Kein Wunder bei den schwülheissen Temperaturen! Man kann ihn schwarz oder mit süsser Kondensmilch bestellen. Einzigartig ist die Zubereitung. Mit einem speziellen Alufilter auf der Tasse wird der Kaffee ganz langsam und schonend gefiltert. Das Resultat ist ein enorm starker und aromatischer Kaffee. Für mich den besten Kaffee, den ich je getrunken habe. Sogar Chanti hat zwischendurch einen Schluck probiert (das will etwas heissen). Ich werde den vietnamesischen Kaffee vermissen.
Wenn man in einem Strassenkaffee sitzt, gibt es immer gratis Tee mit Eis. Manche Einheimische trinken nur den Gratistee ohne ein weiteres Getränk zu bestellen. Sobald das Teeglas leer ist, kommt die aufmerksame Kellnerin nachfüllen.

Vietnamesicher Kaffee (schwarz und stark)

In Vietnam zu reisen war sehr einfach, was uns total überrascht hat. Transport, Ausflüge etc. kann man bequem in einem Reisebüro oder direkt im Hotel buchen. Fast für jede Strecke steht ein Touristenbus zur Verfügung. Das perfide ist, dass die Touristenbusse häufig billiger sind als die lokalen Busse. Auch ist es viel angenehmer, da man in den lokalen Bussen den Preis hart verhandeln muss. Häufig wollen sie das Gepäck auch noch bezahlt haben, obwohl die Einheimischen dafür nichts bezahlen und auch noch viel mehr dabei haben. Was uns auch nicht so gefallen hat, ist dass die Vietnamesen ein Volk von Dränglern sind. Drängeln gehört überall zum guten Ton. Interessanterweise waren wir die Einzigen, die sich daran gestört haben. Am meisten zu Denken gab uns der Abfall. Die Leute schmeissen alles auf den Boden. In Hanoi ist das kein Problem, da jeden Abend der Abfall weggeräumt wird. Auf dem Land hat das aber katastrophale Auswirkungen. Schade wie die schöne Natur verunstaltet und zerstört wird. Hauptschuld an der Misere haben die Plastiktüten. Jedes noch so kleine Ding wird in eine Plastiktüte gepackt. Auch viele Strände wurden vom Abfall nicht verschont. Wenn in nächster Zeit kein Umdenken stattfindet, wird das Land in seinem eigenen Dreck ertrinken. Auch Hunde und Katzen könnten in naher Zukunft zum Problem werden. Wir waren erstaunt, wie viele Hunde es in Vietnam gibt. Viele haben keinen Besitzer und ernähren sich von Abfall und Essensresten. Da keiner kastriert ist, vermehren sie sich rasend schnell. Klar, Hundefleisch ist in Vietnam eine Delikatesse. Wir sind uns nicht sicher, ob sie die Strassenhunde essen oder sie speziell dafür züchten. Mit den Katzen ist es weniger alarmierend, könnte sich aber in die gleiche Richtung entwickeln.

Abfallentsorgung an den Ban Gioc Wasserfällen

Bereits heute entspricht die Bevölkerungsdichte Vietnams der von Deutschland. Die meisten jungen Paare haben Kinder. Diese werden mit (zu)viel Liebe erzogen. Kein Wunder sind die Knaben und Mädchen verzogen. Wir waren immer wieder erschrocken, wie viele Schulkinder es hat. An jeder Ecke gibt es eine Schule. Wenn die Schule fertig ist, ergiesst sich ein nicht enden wollender Strom von Schülern über die Strasse.
Überrascht waren wir von den wenigen Bettlern, die wir hier fanden. Nur in Sai Gon wurden wir ab und zu angequatscht. Dort verkauften auch Kinder Souvenirs auf der Strasse.

Kunststudenten bei der Arbeit

Same same but different, was so viel bedeutet wie "ganz gleich und doch anders", hört man hier überall. Die vom Thailändischen Tinglisch ausgeliehene Redewendung passt so gut zu diesem Land. Manches scheint vertraut zu sein, ist aber irgendwie trotzdem ganz anders. Wir haben die Zeit in Vietnam sehr genossen.

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