Zentralvietnam

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Und tatsächlich blieben wir eine Nacht länger in Hanoi als geplant. Im Hotel Bluebell fanden wir eine zentrale preiswerte Bleibe. Für die Weiterreise nach Hué entschieden wir uns schlussendlich für den Sleeping-Bus. Die Zugfahrt wäre sicher komfortabler gewesen, jedoch viel teurer. Kurz bevor es los ging, bekam ich Durchfall und mir war kotzübel :-( Leider war es zu spät, um die Busreise zu verschieben. Wir wollten die Unkosten nicht auf uns nehmen und so ging meine Alptraumreise los... Noch vor dem Einsteigen erbrach ich einige Male hinter einen Baum am Strassenrand. Nach 1,5h im Sleeping-Bus gab es einen Essensstopp, welchen ich für's Gegenteil nutzte. Es kam alles oben und unten raus. Medis halfen nichts. Die Busfahrt dauerte ganze 16 Stunden. Wir kamen müde und ich krank in Hué an. Der nette Typ vom Hotel holte uns bei der Haltestelle ab und zu Fuss ging's ins Hotel. Ich war total erleichtert endlich im Hotelzimmer zu sein. Dann erhielt ich die beste Medizin für meinen lädierten Magen - heisser Ingwertee! Sofort ging es mir besser. Ich wusste gar nicht, dass Ingwer eine solche Wirkung hat. Alle Chemie half nichts, aber der Ingwertee machte mich schnell wieder gesund.

Die alte Kaiserstadt Hué liegt in Zentralvietnam. Am nördlichen Ufer des Parfümflusses liegt das Gebiet der alten Zitadelle, der kaiserlichen Befestigungsanlage. Am südlichen Ufer laden Parks und Promenaden zum Verweilen ein. In der näheren Umgebung kann man viele Gräber und Tempel besichtigen.

Am nächsten Tag besuchten wir bei tollem Wetter die Zitadelle, welche Nguyen-Herrscher anlegen liessen. Sie hat einen quadratischen Grundriss von knapp 10km Umfang. Es wurden beim Bau Prinzipien des Feng Shui beachtet. Bereits von Weitem sieht man den Flaggenmast, an dem die Nationalfahne weht.

Flaggenmast der Zitadelle in Hué

Abends als wir durch die Stadt liefen, trafen wir einige "Monster" - Halloween :-D Die Restaurants und Bars waren beschmückt und überall Happy-hour und Party.

DMZ-Bar on Halloween

Am Folgetag mieteten wir übers Hotel ein Moped. Wir fuhren zum südlichsten Grab, das von Minh Mang. Nach dem Mittagessen im Mandarin Café fuhren wir in den Stadtteil Kim Long. Dort befinden sich einige Gartenhäuser, welche im 19. Jh. durch vornehme Mandarine errichtet wurden. Wir gönnten uns eine kalte Cola in einem Café, welches sich in einem der idyllischen Gartenhäuser befand. Danach besuchten wir noch die Thien Mu-Pagode, eines der Wahrzeichen von Hué und die grösste Pagode von Vietnam. Eine beliebte Sehenswürdigkeit, die viele Touristen anzieht. Beim Van Mieu-Tempel war es dann wieder weniger "busy". Es war ein sonniger Tag und mit dem Moped unterwegs zu sein geniessen wir immer sehr.

Für den letzten Tag in Hué entschieden wir uns eine DMZ-Tagestour zu buchen. DMZ steht für Die Demilitarisierte Zone. Was für eine Bezeichnung für eine der am stärksten vom Krieg betroffenen Regionen der Welt! Eingerichtet wurde die Zone 1954 nach der Genfer Konferenz, als Vietnam in Nord und Süd geteilt wurde. Die Grenze entlang des 17. Breitengrades sollte durch einen 10km breiten Streifen Niemandsland geschützt werden, in dessen Mitte der Ben-Hai-Fluss verlief. Brutale und legendäre Schlachten wurden in dieser Region ausgefochten. Wir buchten die Tour beim Stop&Go-Café, welches bekannt ist für die besten DMZ-Touren. Unser Tourguide Mr. Anh war damals als Übersetzer in der US-Armee tätig und hat die Geschehnisse hautnah miterlebt. Mr. Anh konnte uns bei jedem Halt interessante und teilweise sehr eindringliche Erlebnisse erzählen. Das Beeindruckendste war die Besichtigung der Tunnel von Vinh Moc. Mr. Anh lief mit der Taschenlampe voraus und unsere Gruppe, bestehend aus acht Personen, folgte ihm in diese unterirdische Welt. Dies war eine kleine, belebte Stadt unter der Erdoberfläche. Das Tunnelsystem wurde 1965-1966 geschaffen. Es besteht aus 3 Ebenen und ist bis zu 20m tief. Wir besichtigten Ebene 1 und 2. Pädu musste die ganze Zeit gebückt gehen. Für mich reichte die Tunnelhöhe. Wir sahen kleine Höhlen, welche als Familienzimmer (bis zu 7 Personen!) benutzt wurden, Luftlöcher, einen "Meetingroom", ein "Spital" und ein Loch als WC. Gekocht wurde draussen, weit weg vom Tunnelsystem. Denn der Rauch hätte die Menschen und ihre unterirdische Stadt verraten. Mehr als 300 Menschen lebten hier 6 Jahre lang. Es wurden sogar 17 Kinder geboren. Einige leben heute noch in der Gegend und können dramatische Geschichten erzählen. Ich fand diese Sehenswürdigkeit sehr bedrückend. Mr. Anh ist ein toller, sympathischer Tourguide und wir verdanken ihm einen unvergesslichen Ausflug.

Unser Guide Mr. Anh

Nach den tollen Erlebnissen in Hué, fuhren wir mit dem Zug über den Wolkenpass (natürliche geografische Grenze zwischen Nord- und Südvietnam) weiter nach Da Nang und von dort mit dem Bus nach Hoi An. Mit dem xe om (Motorradtaxi) wurden wir in die Stadt chauffiert. Dort gingen wir einer Empfehlung von drei Tschechen nach, welche wir im Ba Be-Nationalpark trafen, und quartierten uns im Nha-Lan homestay ein. Die netten Hausbesitzer sprachen nur zwei, drei Wörter Englisch, aber es gibt ja noch Hände und Füsse zur Verständigung.

Das kleine Städtchen Hoi An ist wirklich sehenswert. Die hübsche Altstadt ist ein Freilichtmuseum. Über 800 einzelne Objekte wurden 1999 in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen. Mir gefällt Hoi An Abends am Besten, da alles von zahllosen bunten Seidenlampen beleuchtet wird. Gefährlich ist es in der Backpackers-Bar... Die Happy Hour kann verheerend sein ;-)

Tolle Happy Hour

Wir mieteten einmal mehr ein Moped und begaben uns früh auf den Weg nach My Son, eine gut besuchte Cham-Tempelanlage. Wir wollten vor den Car-Gruppentouristen dort sein und der Mittagshitze entfliehen, was uns auch gelang. Das von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärte Areal war die heiligste Stätte der Cham-Zivilisation. Sie liegt in einem dicht bewaldeten Tal, umgeben von steil aufragenden Felsen. Heute stehen noch etwa 70 Gebäude des ursprünglich viel grösseren Komplexes. Wir folgten dem beschilderten Rundgang und fotografierten die von Pflanzen überwucherten eindrücklichen Ruinen. Teilweise konnte man die Gebäude auch von Innen bestaunen. Bei US-Bombardierungen wurde ein Teil schwer beschädigt. Nach dem Krieg begannen die Restaurierungsarbeiten. My Son ist ein Besuch wert!

Mittags gingen wir in Hoi An ins Hi-Restaurant essen - wie bereits am Vorabend. Dieses Restaurant liegt an einer ruhigen Seitenstrasse und ist sehr preiswert und lecker. Hoi An ist extrem touristisch und die Preise teilweise total übertrieben für Vietnam. Nach dem Essen informierten wir uns über den angepriesenen Kochkurs. Alles entsprach unseren Vorstellungen und so buchten wir die cooking-class für den nächsten Vormittag. Wir konnten 1 Vorspeise, 1 Suppe und 2 Hauptgänge von der Speisekarte auswählen. Dies musste im Voraus sein, da sie die Zutaten für die Gerichte früh Morgens am Markt einkaufen.

Am Nachmittag war es bewölkt und windig. Trotzdem fuhren wir an den An Bang-Strand. Das Meer war stürmisch und lud nicht zum baden ein. Wir gingen auch noch an den Cua Dai-Strand bevor wir zurück zum homestay fuhren. Baden mussten wir leider verschieben.

Nach dem Check-out konnten wir unsere Tramper beim Reisebüro einstellen. Wir buchten dort unsere Weiterreise nach Da Lat. Dann liefen wir voller Vorfreude zum Hi-Restaurant. Der Kochkurs konnte beginnen. Wir hatten Glück und waren die einzigen Teilnehmer, somit private cooking-class :-) Es wurde uns alles genau gezeigt und erklärt. Wir schrieben uns die Rezepte auf. Und nach jedem Gang konnten wir das Gekochte essen. Es war unglaublich lecker! Wir verwendeten alles frische Zutaten und die Rezepte sind simpel. Aber das Resultat haut uns aus den Socken :-D Wir hatten viel Spass und waren nach dem Dessert mehr als satt. Man kann in Hoi An fast in jedem Restaurant einen Kochkurs besuchen. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir den Besten ausgewählt haben! Wir haben auf dafür tripadvisor eine Topbewertung abgegeben :-) Die Familie, welche dieses kleine empfehlenswerte Restaurant betreibt, ist sehr freundlich und zuvorkommend. Wirklich eine Topadresse in Hoi An! Wir haben vor in jedem bereisten Land einen Kochkurs zu besuchen. Denn das Kulinarische ist für uns ein wichtiger Bestandteil des Reisens. Und wir lieben das asiatische Essen :-)

Zubereitung einer Pho

Mit vollem Magen machten wir am Nachmittag noch etwas Sightseeing. Wir sassen in der Before&Now-Bar als es anfing zu regnen. Um 17.30h mussten wir beim Reisebüro sein. Mit dem Sleeping-Bus ging's weiter nach Da Lat. Um 17.00h kam Pädu in den Sinn, dass unsere Pässe noch im homestay waren! Immer wieder dasselbe... Beim Check-in muss man die Pässe abgeben, dann denkt man nicht mehr daran und beim Check-out vergisst das Hotel oftmals die Pässe zurück zu geben. Voilà, dann ist man ohne Pass unterwegs. Zum Glück hat Pädu im letzten Moment daran gedacht und alles ging gut. Wir verliessen Hoi An mit dem Sleeping-Bus und kamen am Morgen in Nha Trang an. Wir hörten viel Schlechtes über diese Küstenstadt. Deshalb entschieden wir uns bereits in Hoi An direkt nach Da Lat weiter zu reisen. Wir warteten in Nha Trang 2h auf unseren Bus. Die Zeit reichte, um uns ein Bild zu machen. Überall Russen und alles ist auf Russisch angeschrieben - schlimm! Wir waren froh über unsere Entscheidung direkt ins südliche Hochland nach Da Lat zu reisen...

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